Erlach

Rundblick 40 m über der Spitze des Turmes

Dorfgeschichte

Erlach – 1148 erstmals urkundlich erwähnt

Erlach wird erstmals 1148 in einer Urkunde des Papstes Eugen III. erwähnt. Mindestens seit dem 11. Jahrhundert gehörte Erlach zum Kloster Kitzingen und wurde seit Mitte des 12. Jahrhunderts von den Ministerialen von Erlach verwaltet, die im Auftrag des Bamberger Bischofs tätig waren. Spätestens um 1290 übt das Geschlecht der Hohenlohe-Brauneck die Dorfherrschaft aus. Als die männliche Linie der Herren von Hohenlohe-Brauneck 1390 ausstarb, heiratete die Erbtochter Margarethe den niederösterreichischen Grafen Michael von Hardegg, der den Titel eines Burggrafen von Magdeburg führte. Die Hardegger verkauften den für sie abgelegenen Besitz 1448 an den Marktgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach.

350 Jahre Haus Seinsheim – Schwarzenberg in Erlach

Im Jahr 1466 belehnten die Markgrafen den Junker Philipp von Seinsheim mit Schloss und Dorf Erlach sowie der Vogtei über Kaltensondheim. Einer der bedeutendsten Herren von Erlach war sicherlich Christoph von Seinsheim von 1547 bis 1582, der durch die Heirat mit Magdalena von Biberern das gesamte Dorf in seinen Besitz brachte und die Reformation in Erlach einführte. Bereits vor dem Erbfall baute er 1545 das Wasserschloss wieder auf, das im Bauernkrieg niedergebrannt war. Während Christoph von Seinsheim den Besitz der Familie mehren konnte, hatte bereits sein Sohn Georg Ludwig von Seinsheim (+ 1599) und dessen Nachkommen mit erheblichen Schulden zu kämpfen. Einen Ausweg bot schlussendlich nur der Verkauf an Verwandte. So erwirbt Graf Johann Adolf später Fürst von Schwarzenberg 1663 die Herrschaft über Erlach, dessen Nachkommen bis 1806 Erlacher Dorfherren blieben. 

Erlach auf dem Weg zur eigenständigen Gemeinde

Erlach hatte schon früh eine bürgerliche Beteiligung am gemeindlichen Leben, wie Urkunden seit 1594 lückenlos belegen. Der Bürgermeister (Schultheiß) war in vielen Entscheidungen jedoch an Vorgaben der Herrschaft gebunden. Auch nach der Gründung des Königreichs Bayern 1806 waren die Standesherren an der Umsetzung staatlicher Aufgaben privilegiert beteiligt. So war bis 1853 das Schwarzenbergsche Herrschaftsgericht in Marktbreit für Erlach zuständig, anschließend das Landgericht Kitzingen. Mit der Bildung der Bezirksämter 1862 wurden Verwaltung und Gerichtsbarkeit getrennt und Erlach wechselte an Bezirksamt und Landgericht Ochsenfurt.
Letztlich brachte erst das „Selbstverwaltungsgesetz vom 22. Mai 1919“ die endgültige politische Eigenständigkeit der Gemeinde Erlach.

Im Beitrag des Stadtarchivars Peter Wesselwosky lesen Sie mehr zur Bürgerbeteiligung in Erlach.

Erlach 2020 als Ortsteil der Stadt Ochsenfurt

Mit der Eingemeindung in die Stadt Ochsenfurt im Rahmen der Gemeindegebietsreform 1972 endete die Eigenständigkeit Erlachs, das seitdem durch einen Ortssprecher im Stadtrat vertreten ist. Im Jahr 2020 leben in Erlach ca. 350 Einwohner. Evangelische und katholische Gemeinde, Freiwillige Feuerwehr, Sportverein, Bürger- und Gartenbauverein, Schlosskapelle Erlach, sowie der Bayerische Bauernverband gestalten das Dorfleben. Jagdgenossenschaft und Wegebaugemeinschaft Erlach erhalten unsere Kulturlandschaft mit einer Fläche von 978 ha.

Simultankirche St. Johannis

Film zur Simultankirche St. Johannis

Die Kirche ist das älteste Bauwerk im Dorf. Sie wurde um 1300 in gotischer Bauweise errichtet und 1379 erstmals urkundlich erwähnt. Die ursprüngliche Bauart kann man heute noch im Chorraum erkennen. In der von außen unscheinbaren, innen jedoch umso prächtigeren Kirche erinnern sechs aufwändige Epitaphien an die ehemaligen Dorfherren, die Seinsheimer, die zum Teil auch hier bestattet worden sind.

Im Jahre 1869 erhält die Kirche ihr heutiges Erscheinungsbild im neugotischen Stil. Im Zuge einer Restaurierung wird 1957 alles grau überstrichen. Aller Historismus, dem auch die Neugotik zugerechnet wird, erscheint in diesen Jahren völlig fehl am Platze. Dreißig Jahre später bei der bis dato letzten Renovierung wird 1987 der “alte” Zustand jedoch wiederhergestellt.

Zu einem virtuellen Rundgang durch die Kirche gelangen Sie hier.

Ehemaliges Wasserschloss mit Schlosskapelle

Die Herren von Erlach ließen im 11. oder 12. Jahrhundert durch harten Frondienst im Dorf die erste Wasserburg errichten. Die durch Ringgraben und Zugbrücke geschützte Anlage wird erstmals 1151 urkundlich erwähnt und liegt am südlichen Rand des ehemaligen Feuchtgebietes. Die höher gelegenen Seen ergossen über Zuleitungen aus Eichenholz ihr Wasser in den Ringgraben des Schlosses. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Schlossgraben aufgefüllt und damit weitgehend trockengelegt.

Nach der Zerstörung der Burg im Bauerkrieg 1525 wurde das Schloss 1545 als zweigeschossiges Gebäude mit einem achteckigen Grundriss wiedererrichtet, das einen kleinen Schlosshof mit einem rechteckigen Bergfried umgibt.

Das Schloss beherbergt heute im Erdgeschoss Kapelle und Sakristei, Pfarrsaal, Jugendraum und Toiletten. Im Obergeschoss befinden sich zwei Wohnungen. Der Schlossgraben kann für Freiluftgottesdienste, Feste der Dorfgemeinschaft und Theateraufführungen genutzt werden. Die katholische Kirchenstiftung Erlach als Eigentümerin kümmert sich unter großem ehrenamtlichen und finanziellen Aufwand um den Erhalt des einmaligen Denkmals.

Mehr über das ehemalige Wasserschloss erfahren Sie auf einem virtuellen Rundgang hier.

Schlosskapelle Maria Immaculata

Bereits im 17. Jh. ließen die katholischen Vögte der Schwarzenberger im Schloss eine Kapelle im schönsten Raum mit Erker einrichten. Diese wurde 1813 durch die katholische Kirchenstiftung gekauft, die heute Eigentümerin der Schlossanlage ist.
Im Jahr 1913/14 wurde die Kapelle zu ihrer heutigen Form erweitert, der Chorraum nach unten verlegt und dient seitdem als geistliches Zentrum der katholischen Gemeinde.

Entdecken Sie die Schlosskapelle auf einem virtuellen Rundgang hier.